Das Prinzip Familie: Scaloni und de la Fuente im Porträt
Vor dem WM-Finale zwischen Argentinien und Spanien stehen mit Lionel Scaloni und Luis de la Fuente zwei Trainer im Fokus, die sich über die Verbandsarbeit statt im Klubfußball etabliert haben.
Auf der letzten Pressekonferenz vor dem Endspiel der Weltmeisterschaft präsentierte sich Spaniens Nationaltrainer Luis de la Fuente im Kongresszentrum am Hudson River in New York äußerst gelassen. Angesprochen auf eine mögliche Nervosität vor dem wichtigsten Spiel im Weltfußball, entgegnete der 65-Jährige ruhig, er sei lediglich besorgt wegen des anstehenden Rückflugs mit dem Hubschrauber, ansonsten aber völlig entspannt. Diese Ruhe spiegelt den Weg wider, den er und sein argentinischer Kollege Lionel Scaloni bis in dieses Finale gegangen sind.
Sowohl de la Fuente als auch Scaloni stehen für ein Gegenmodell zum klassischen Vereinstrainer. Beide wurden nicht im Klubfußball zu Stars, sondern haben sich innerhalb ihrer nationalen Verbände kontinuierlich nach oben gearbeitet. Der Argentinier Scaloni hat in seiner Karriere noch nie einen Verein als Cheftrainer betreut und übernahm die Nationalmannschaft 2018 zunächst nur als Interimslösung. De la Fuente war lediglich zu Beginn seiner Trainerlaufbahn im Vereinsfußball aktiv, ehe er beim spanischen Verband als Jugendtrainer und Assistent tätig wurde und 2022 die Nachfolge von Luis Enrique antrat.
Erfolg der Verbandstrainer gegen namhafte Konkurrenz
Der Erfolg der beiden Finaltrainer kontrastiert deutlich mit dem Abschneiden etablierter Startrainer bei diesem Turnier. Etliche Nationen setzten auf namhafte und teure Trainer, die zuvor bei europäischen Spitzenklubs unter Vertrag standen, blieben jedoch hinter den Erwartungen zurück. Carlo Ancelotti schied mit Brasilien ebenso im Achtelfinale aus wie Mauricio Pochettino mit den USA. Für den deutschen Bundestrainer Julian Nagelsmann war das Turnier bereits eine Runde früher beendet. Thomas Tuchel erreichte mit England zwar das Halbfinale, geriet danach jedoch wegen seiner defensiven Wechsel im Heimatland und sogar durch Kritik von Donald Trump unter Druck.
De la Fuente und Scaloni hingegen haben die anfängliche Skepsis, die ihnen aufgrund mangelnder Erfahrung auf der ganz großen Bühne entgegengebracht wurde, längst widerlegt. Beide haben bereits die bedeutendsten Titel im Nationalmannschaftsfußball gewonnen: Scaloni führte Argentinien zum Weltmeistertitel und zum Sieg bei der Copa América, de la Fuente feierte mit Spanien den Europameistertitel.
Zusammenhalt und langjährige Bindung als Schlüssel
Der Erfolg der beiden Nationaltrainer basiert maßgeblich auf dem Zusammenhalt ihrer Mannschaften, den sie über Jahre hinweg aufgebaut haben. Für beide ist der Verband kein reines Projekt, sondern eine langfristige Aufgabe. De la Fuente setzt auf Werte wie Geduld, Bescheidenheit, Respekt und Verantwortung und formte eine Mannschaft, die intern als Familie bezeichnet wird. Durch seine langjährige Arbeit im spanischen Nachwuchsbereich kennt er viele seiner heutigen Leistungsträger seit deren Jugendzeit.
Mit Akteuren wie Rodri, Unai Simón und Mikel Merino feierte er den Gewinn der U19-Europameisterschaft, während er mit Fabián Ruiz und Mikel Oyarzabal die U21-Europameisterschaft gewann. Diese gemeinsame Vergangenheit schafft eine besondere Vertrauensbasis, die über das übliche Trainer-Spieler-Verhältnis hinausgeht.
Quellen: Zeit Online
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