Die Torhüter im Fokus der Weltmeisterschaft 2026
Zahlreiche Keeper von vermeintlichen Außenseitern prägen das Turnier in Nordamerika mit starken Leistungen und überraschenden Statistiken.
Die Weltmeisterschaft 2026 rückt die Torhüter vermehrt in den Mittelpunkt der Berichterstattung. Zahlreiche Keeper, die vor dem Turnier kaum im Fokus der Öffentlichkeit standen, machten mit spielentscheidenden Aktionen auf sich aufmerksam. So sicherte Örjan Nyland Norwegen mit einer Parade den Sieg gegen Brasilien, während Kap Verdes Vozinha sieben Paraden gegen Spanien und acht gegen Argentinien zeigte. Der ägyptische Schlussmann Mostafa Shobeir brachte Argentinien im Achtelfinale in Bedrängnis, Paraguays Orlando Gill parierte im Spiel gegen Deutschland zwei Elfmeter und Eloy Room aus Curaçao stellte mit 15 Paraden in einer einzigen Partie einen neuen WM-Rekord auf.
Die ehemalige deutsche Nationaltorhüterin und ARD-Expertin Almuth Schult sieht trotz des Fehlens eines absoluten Weltklasse-Torhüters, der alle Facetten des modernen Spiels perfekt beherrscht, eine Steigerung des Durchschnittsniveaus. Sie betont die Bedeutung der Position insbesondere für kleinere Mannschaften, die einen starken Rückhalt benötigen, um die K.o.-Runde zu erreichen. Teams wie Paraguay, Kap Verde, Norwegen und die Demokratische Republik Kongo hätten in besonderem Maße von ihren Torhütern profitiert.
Heldengeschichten und unerwartete Statistiken
Torwarttrainer und Podcaster Sascha Felter weist darauf hin, dass Großturniere durch K.o.-Spiele und Elfmeterschießen prädestiniert dafür sind, Heldengeschichten zu schreiben. Ein Beispiel hierfür ist der derzeit vereinslose 35-jährige Norweger Örjan Nyland. Trotz eines Fehlers beim Ausscheiden gegen England im Viertelfinale überzeugte er im Turnierverlauf. Felter hebt Nylands enge Abstimmung mit der Defensive und seine hohe Laufleistung hervor. Im Spiel gegen Brasilien legte Nyland 6,8 Kilometer zurück und war damit der laufstärkste Torhüter des Turniers.
Auch der 40-jährige Vozinha, bürgerlich Josimar José Evora Dias, avancierte nach langjährigen Stationen in der zweiten portugiesischen Liga zum gefragten Akteur in den sozialen Netzwerken. Er überzeugte vor allem durch seine Strafraumbeherrschung und Ruhe am Ball. Der Ägypter Mostafa Shobeir fiel durch seine Beinarbeit und ein mutiges, aktives Agieren bei Flanken und Querpässen auf, was ihm unter anderem Lob für seine Aktionen gegen den argentinischen Angreifer Julian Alvarez einbrachte.
Offizielle Daten der FIFA im Vergleich
Die FIFA bewertet die Torhüter während des Turniers in den Kategorien "Bei Ballbesitz" für den Spielaufbau und "Torverteidigung" für direkte Abwehraktionen. In der Kategorie "Bei Ballbesitz" führt der Engländer Jordan Pickford das Ranking vor dem Südafrikaner Ronwen Williams und dem Schweizer Gregor Kobel an. Nyland belegt hier den fünften Platz, Vozinha folgt auf Rang sechs, während Shobeir auf Platz 23 geführt wird.
Die Statistik zur "Torverteidigung" wird vom portugiesischen Torhüter Diogo Costa angeführt. Dahinter folgen Gregor Kobel und der Paraguayer Orlando Gill. Shobeir belegt in dieser Auswertung den fünften Platz, Nyland rangiert auf Platz acht und Vozinha auf dem elften Platz. Neben der sportlichen Qualität spielen laut Almuth Schult auch Faktoren wie der aktuelle Fitnesszustand, Spielpraxis und das nötige Glück im Zusammenspiel mit der Abwehr eine entscheidende Rolle für den Erfolg der Torhüter bei diesem Turnier.
Quellen: Sportschau
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