Entscheidung über Balogun-Sperre wohl durch Einzelrichter
Die Aussetzung der Sperre von US-Nationalspieler Folarin Balogun wurde im FIFA-Disziplinarkomitee offenbar vom Vorsitzenden Mohammad al-Kamali im Alleingang beschlossen.
FIFA-Einzelrichter entschied wohl im Fall Balogun
Die Entscheidung des FIFA-Disziplinarkomitees, die Sperre des US-amerikanischen Nationalspielers Folarin Balogun nach dessen Roter Karte zur Bewährung auszusetzen, wurde offenbar von einer Einzelperson getroffen. Nach Informationen der englischen Zeitung "The Times" entschied der Vorsitzende des Gremiums, Mohammad al-Kamali aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, den Fall alleine. Weitere Mitglieder des insgesamt 18 Personen umfassenden Disziplinarkomitees wurden demnach nicht in den Entscheidungsprozess einbezogen. Die FIFA wurde von der Sportschau um eine Stellungnahme gebeten, eine Reaktion steht noch aus. Al-Kamali selbst äußerte sich am Rande des WM-Spiels zwischen England und Norwegen in Miami auf Nachfrage des Senders BBC ebenfalls nicht zu dem Vorgang.
Das Vorgehen ist formal durch die Statuten des Weltverbandes gedeckt. Der Disziplinarcode der FIFA sieht für bestimmte Fälle, insbesondere für die routinemäßige Behandlung von Roten Karten, ausdrücklich ein Einzelrichterverfahren vor. Ähnliche Regelungen finden sich auch in den Statuten des DFB-Sportgerichts sowie der Disziplinarkammer der UEFA.
Hans E. Lorenz, der langjährige Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, bestätigte im Gespräch mit der Sportschau die formale Korrektheit des Ablaufs, äußerte jedoch Bedenken hinsichtlich der Sensibilität des Falls. Ein Verfahrensfehler liege zwar gewiss nicht vor, es sei jedoch fraglich, ob es klug war, bei einem Fall von dieser Tragweite so vorzugehen. Lorenz wies darauf hin, dass bei der Beteiligung mehrerer Personen Raum für Gegenargumente und Widerspruch bestanden hätte. Nach seinen Erfahrungen agiere die UEFA bei Europameisterschaften in vergleichbaren Fällen anders und binde stets mehrere Personen in die Entscheidungsfindung ein.
Der Fall Balogun hatte im Vorfeld für Aufsehen gesorgt, da die Entscheidung zur Bewährung nach einem Telefonat zwischen FIFA-Präsident Gianni Infantino und dem US-Präsidenten Donald Trump erfolgte. Balogun hatte die Rote Karte im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina erhalten. Der zuständige Richter al-Kamali wurde im Jahr 2025 auf dem FIFA-Kongress in Paraguay gewählt und erhält für seine Tätigkeit ein jährliches Honorar von 160.000 US-Dollar. Sein Vertreter und Vorgänger Jorge Palacio aus Kolumbien bezieht dagegen 26.000 US-Dollar pro Jahr.
Quellen: Sportschau
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