Alle News
Meldung

Scharfe Kritik an Infantinos Plänen für WM-Investoren

FIFA-Präsident Gianni Infantino will Anteile an den Fußball-Weltmeisterschaften an private Geldgeber verkaufen, stößt damit in Europa jedoch auf heftigen Widerstand.

Der Präsident des Weltfußballverbands FIFA, Gianni Infantino, plant den Verkauf von Minderheitsanteilen an den Fußball-Weltmeisterschaften an private Investoren. Zu diesem Zweck soll eine eigenständige Tochtergesellschaft namens "FIFA Forward Enterprise" (FFE) gegründet werden. In diesem kommerziell ausgerichteten Unternehmen sollen sämtliche gewinnbringenden Aktivitäten des Verbandes wie Übertragungsrechte, Sponsoring, Ticketverkauf, Lizenzierung und die Turnierorganisation gebündelt werden. Die FIFA beabsichtigt, rund 20 Prozent der FFE-Anteile zu veräußern, während sie selbst die Mehrheitskontrolle behalten will. Basierend auf Berechnungen der US-Investmentbank JPMorgan wird der Gesamtwert des neuen Unternehmens auf rund 20 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Angeführt werden soll die Investorengruppe von Thrive Capital, einer Investmentgesellschaft von Joshua Kushner. Der 41-jährige Gründer gehört zur erweiterten Familie des US-Präsidenten Donald Trump und ist der Bruder von Jared Kushner, dem Ehemann von Ivanka Trump. Thrive Capital hält unter anderem Beteiligungen an Instagram, Spotify, OpenAI und dem Filmstudio A24. Infantino verteidigte das Vorhaben in einer Videobotschaft als "einmalige Chance" und als den "logischen nächsten Schritt", der die weltweite Entwicklung des Fußballs beschleunigen werde, da derzeit zu wenig vom kommerziellen Wert an der Basis ankomme.

Finanzielle Anreize für die Mitgliedsverbände

Für die 211 Mitgliedsverbände der FIFA ist der Plan mit erheblichen finanziellen Zusagen verknüpft. Im Falle einer Zustimmung könnte jeder Verband für den Zyklus von 2027 bis 2030 bis zu 40 Millionen US-Dollar erhalten. Diese Summe teilt sich auf in eine einmalige "Fast-Forward"-Förderung und reguläre "FIFA Forward"-Entwicklungsgelder. Für den Zeitraum von 2031 bis 2034 stellt die FIFA Erhöhungen auf 22 Millionen Dollar in Aussicht, gefolgt von 24 Millionen Dollar für die Jahre 2035 bis 2038.

Die Entscheidung über das Vorhaben soll demokratisch fallen. Für die Umsetzung ist die Zustimmung von mehr als 50 Prozent der Mitgliedsverbände sowie des FIFA-Rats erforderlich. Die Verbände müssen sich laut einem Schreiben Infantinos bis zum 19. September 2026 entscheiden, um Anspruch auf die einmalige Sonderzahlung zu haben. Bei einer Ablehnung des Plans würden die Zahlungen deutlich geringer ausfallen.

Heftiger Widerstand aus Europa

Die europäische Fußballunion UEFA reagierte mit scharfer Ablehnung und erklärte, mit diesem Vorhaben sei eine Grenze überschritten worden. Die Führung und die Seele des Fußballs seien keine Vermögenswerte, mit denen gehandelt werden dürfe. Die UEFA berief eine Krisensitzung mit den Spitzen aller 55 europäischen Mitgliedsverbände ein, bei der auch ein möglicher Boykott der Weltmeisterschaft zur Debatte steht.

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) positionierte sich klar gegen die Pläne. DFB-Präsident Bernd Neuendorf bezeichnete den Vorstoß als "fatales Zeichen" und betonte, dass der Fußball von der gesellschaftlichen Akzeptanz lebe und nicht zum Spielball von Investoren werden dürfe. Kritik kam zudem aus Norwegen und England. Auch der ehemalige FIFA-Präsident Sepp Blatter äußerte Unverständnis und warnte davor, dass der Verband durch eine gewinnorientierte Struktur seine Seele verlieren würde.

Geteiltes Echo im Rest der Welt

Die Kontinentalverbände von Nord- und Mittelamerika (Concacaf) sowie Asien (AFC) äußerten sich ebenfalls skeptisch und kritisierten vor allem, dass die Pläne ohne vorherige Einbindung der zuständigen Gremien ausgearbeitet wurden. Der australische Fußballkommentator Craig Foster warf Infantino vor, das Projekt im Geheimen entwickelt zu haben.

Zustimmung signalisierte hingegen der afrikanische Kontinentalverband CAF. Dessen Präsident Patrice Motsepe forderte die afrikanischen Mitgliedsverbände auf, den Vorschlag zu prüfen. Mit 54 Verbänden stellt die CAF einen der größten Stimmenblöcke innerhalb der FIFA und könnte bei der anstehenden Abstimmung eine entscheidende Rolle spielen.

Quellen: Zeit Online, kicker

Dieser Beitrag wurde automatisch aus den verlinkten Quellen erstellt und nicht einzeln redaktionell geprüft.

Alle News