Harte Klinsmann-Kritik nach deutschem WM-Aus
Nach dem vorzeitigen Scheitern der deutschen Nationalmannschaft in der Zwischenrunde übt der ehemalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann deutliche Kritik an der Einstellung des Teams.
Nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft in der Zwischenrunde der Weltmeisterschaft hat der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann die Leistungen des DFB-Teams scharf kritisiert. Die Auftritte bei den vergangenen Turnieren bezeichnete der 61-Jährige als brutal peinlich. Als eine der Hauptursachen für das erneute Scheitern sieht Klinsmann Mängel in der Körperlichkeit und der mentalen Einstellung der Spieler.
Sie waren zu weich, sie waren nicht fähig, zu leiden oder auch mal die Ellbogen auszufahren und sich Respekt zu verschaffen. Wir sind jetzt absolut im Mittelmaß, ganz verloren irgendwo angekommen. Wir müssen uns dafür schämen. Wir müssen eingestehen, dass viel, viel falsch gemacht wurde.
Als Vorbild in Sachen Einsatzbereitschaft und Robustheit nannte der Weltmeister von 1990 den Titelverteidiger Argentinien. Das deutsche Team fange nun weit unten an. Große Hoffnungen für einen Neuanfang setzt Klinsmann in Jürgen Klopp, den er für den richtigen Mann hält, um die Wende einzuleiten. Klopp besitze die nötige Energie und eine positive Art, um die Menschen mitzunehmen.
DFB-Spitze bleibt WM-Finale fern
Konsequenzen gibt es auch auf Funktionärsebene. DFB-Präsident Bernd Neuendorf und weitere Spitzenfunktionäre des Verbandes werden nicht zum WM-Endspiel reisen. Neuendorf verzichtet damit auf seinen reservierten Platz auf der Ehrentribüne, der ihm als Mitglied des FIFA-Councils zustehen würde. Bereits nach dem Ausscheiden im Elfmeterschießen gegen Paraguay (3:4) hatte der DFB angekündigt, dass der Verbandschef keine weiteren Turnierspiele mehr besuchen werde.
Bundestrainer-Kandidat Jürgen Klopp wird dagegen im Stadion anwesend sein, allerdings in seiner Funktion als TV-Experte für MagentaTV. Dort trifft er unter anderem auf Per Mertesacker, der als potenzieller Kandidat für den Posten des DFB-Geschäftsführers gehandelt wird.
U19-Kapitän fordert Vertrauen und Woltemade hält sich fit
Angesichts des sportlichen Misserfolgs hat sich auch Francis Onyeka, Kapitän der deutschen U19-Nationalmannschaft, zu Wort gemeldet. Der Vize-Europameister fordert von den Bundesliga-Trainern mehr Mut und Spielzeit für junge deutsche Talente. Er selbst wechselt für die kommende Spielzeit auf Leihbasis von Bayer Leverkusen zum Aufsteiger SV Elversberg, um dort Spielpraxis im Profibereich zu sammeln.
Unterdessen hält sich Nationalspieler Nick Woltemade nach dem WM-Aus in seiner Heimatstadt fit. Der 24-jährige Offensivspieler von Newcastle United, der im entscheidenden Elfmeterschießen gegen Paraguay einen Strafstoß vergeben hatte, absolviert derzeit Trainingseinheiten beim SV Werder Bremen. Er trainiert dort auf einem Nebenplatz mit den Co-Trainern der Bremer U19-Mannschaft.
Keine vorzeitige DFB-Unterstützung für Infantino
In sportpolitischen Fragen geht der DFB auf Distanz zu FIFA-Präsident Gianni Infantino. Der Verband bestätigte, dass er dem Schweizer im Vorfeld der FIFA-Präsidentschaftswahl im März 2027 kein offizielles Unterstützungsschreiben ausstellen wird. Über das weitere Vorgehen und das finale Stimmverhalten soll im DFB-Präsidium und in Abstimmung mit der DFL beraten werden. Infantino wirbt derzeit aktiv um Stimmen für seine Wiederwahl und verfügt durch die Zusagen der asiatischen, afrikanischen und südamerikanischen Verbände bereits über eine breite Unterstützung.
Quellen: kicker, Sportschau
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