Recherchen belasten Felix Nmecha: WM-Auftritte Teil einer radikal-christlichen Kampagne
Gemeinsame Recherchen des ARD-Magazins MONITOR und der Sportschau zeigen, dass die Glaubensbekenntnisse des Nationalspielers Felix Nmecha bei der Weltmeisterschaft offenbar Teil einer organisierten Kampagne mit radikalen Ansichten sind.
Der deutsche Nationalspieler Felix Nmecha nutzte die Bühne der Fußball-Weltmeisterschaft, um vor einem weltweiten Publikum für seinen christlichen Glauben zu werben. Bereits im Auftaktspiel gegen Curaçao betete er gemeinsam mit Mitspielern und vier Akteuren des Gegners Arm in Arm im Mittelkreis. Nach seinem Tor in der sechsten Minute folgte ein Jubel, bei dem er symbolisch eine unsichtbare Krone vom Kopf nahm und auf den Rasen legte. Was Nmecha im anschließenden Interview mit der Sportschau als spontane Aktion darstellte, war nach Recherchen des ARD-Politikmagazins MONITOR und der Sportschau offenbar eine geplante Werbemaßnahme für eine gezielte Kampagne.
Nmecha postete Bilder seines Torjubels im Internet mit dem Hashtag der Kampagne "The King’s Return" (Die Rückkehr des Königs). Diese Bewegung, die sich als von Spielern getragene Initiative während der Weltmeisterschaft versteht, verfolgt die Botschaft, dass Jesus wiederkehrt. Hinter der Kampagne steht die Organisation "Ballers in God", ein Netzwerk evangelikaler Christen, dem neben Nmecha zahlreiche weitere prominente Fußballer angehören. Die Recherchen zeigen, dass dieses Netzwerk zur Missionierung genutzt wird und Verbindungen zu radikalen Ansichten aufweist.
Verbindungen zu umstrittenen Beratungsangeboten
Auf der offiziellen Webseite von "The King's Return", die auch das Foto des Gebetskreises mit Nmecha zeigt, wird ein Chat-Beratungsdienst angeboten. Dieser Link führt zur US-amerikanischen Organisation "Groundwire". Journalisten von MONITOR testeten das Angebot unter verschiedenen Pseudonymen. In den Chatverläufen legten die Berater unter anderem einem vermeintlich muslimischen Jugendlichen nahe, sich zwischen Gott und seinen Freunden zu entscheiden. Einer vorgeblich ungewollt schwangeren 17-Jährigen wurde mitgeteilt, Abtreibungen seien "Satans Plan, um das, was Gott gehört, zu töten, zu stehlen und zu zerstören".
Zudem erhielten die Reporter Zugriff auf eine interne Chat-Transkriptbibliothek, die als Leitfaden für die Online-Unterhaltungen dient. Darin wird Homosexualität explizit als Sünde bezeichnet. Auf die Nachricht eines Mädchens, dass dessen Mutter Verständnis für die homosexuelle Orientierung zeige, antwortete der Chatpartner laut Leitfaden mit den Worten: "Schande über Deine Mutter." Der Theologe Wolfgang Palaver bewertet diese Chats als Ausdruck eines radikalen Weltbilds, das auf einem extremen Schwarz-Weiß-Denken basiere und die eigene Religiosität in Kontrast zu einer angeblich gescheiterten, säkularen Welt setze.
Keine Stellungnahme von Nmecha und dem DFB
Weder Felix Nmecha noch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) oder die Organisation "Ballers in God" beantworteten die Anfragen von MONITOR und der Sportschau für eine Stellungnahme. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte die Gebetsaktionen im Turnierverlauf zuvor noch in einem Interview mit Sky und RTL verteidigt und als positiv bewertet, da sie für Menschlichkeit und Respekt stünden.
Nmechas Verein Borussia Dortmund äußerte sich schriftlich zu den Recherchen. Der Klub betonte, dass die Ausübung des persönlichen Glaubens zur Privatsphäre der Angestellten gehöre. Gleichzeitig erklärte der Verein: "Gleichzeitig erwarten wir von allen Mitarbeitenden, dass ihr Verhalten mit den gesetzlichen Vorgaben und den Grundwerten von Borussia Dortmund vereinbar ist. Dazu zählen insbesondere Respekt, Vielfalt, Gleichberechtigung und die klare Ablehnung jeder Form von Diskriminierung."
Bereits vor Nmechas Wechsel vom VfL Wolfsburg zum BVB im Jahr 2023 hatte es heftige Fanproteste gegeben, da der Mittelfeldspieler in den sozialen Medien homophobe Inhalte geteilt und gelikt haben soll. Nach einem klärenden Gespräch mit der Vereinsführung, in dem Nmecha betonte, er diskriminiere niemanden und einige Beiträge seien aus dem Kontext gerissen worden, wurde der Transfer dennoch vollzogen. Sportlich verlief die Weltmeisterschaft für Nmecha und die deutsche Nationalmannschaft enttäuschend. Das Team schied im Sechzehntelfinale gegen Paraguay nach Elfmeterschießen aus, wobei Nmecha bereits zur Halbzeit ausgewechselt worden war.
Quellen: Sportschau
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