Schiedsrichterexperte Lutz Wagner warnt vor Gefahren durch neue WM-Regeln
Der DFB-Schiedsrichterlehrwart Lutz Wagner sieht die Vielzahl an neuen Regelungen und deren optionale Umsetzung durch die Verbände als Risiko für die Verständlichkeit des Fußballs.
Die bei der Weltmeisterschaft 2026 erprobten Regeländerungen stoßen bei Experten auf ein geteiltes Echo. Der ARD-Schiedsrichterexperte und DFB-Schiedsrichterlehrwart Lutz Wagner hat sich in einem Interview kritisch zu einigen Neuerungen geäußert und vor einer zunehmenden Unübersichtlichkeit für Fans und Aktive gewarnt. Zwar zeigten Maßnahmen zur Reduzierung des Zeitspiels bereits Wirkung, doch insbesondere die Ausweitung von Kompetenzen des Video-Assistenten (VAR) und optionale Regelauslegungen bergen aus seiner Sicht erhebliche Risiken.
Positiv bewertete Wagner die Maßnahmen gegen das Zeitspiel. Die Spieler blieben seltener lange liegen und beeilten sich bei Auswechslungen. Allerdings bedeute dies für die Unparteiischen an der Basis, wie in der Kreisliga, eine erhebliche Mehrbelastung, da diese nun ständig Countdowns anzeigen und herunterzählen müssten. Zudem warnte Wagner vor den Gefahren unterschiedlicher Regelauslegungen zwischen den Verbänden. Da die FIFA viele Neuerungen nur als Option anbietet, droht eine Zersplitterung. So hat die UEFA bereits angekündigt, die Rote Karte für das Verdecken des Mundes mit der Hand bei Diskussionen nicht zu übernehmen. Auch feste Trinkpausen lehnen UEFA und DFL ab, was Wagner befürwortet, da sich die flexible Handhabung in Deutschland bewährt habe. Der Fußball müsse jedoch für die Fans verständlich und einheitlich bleiben, vom Amateurbereich bis zur Weltmeisterschaft.
Diskussionen um Torwartschutz und VAR-Eingriffe
Für Diskussionen sorgten bei der WM auch Entscheidungen zum Schutz der Torhüter, wie das aberkannte Tor des deutschen Nationalspielers Jonathan Tah gegen Paraguay nach einem Block von Waldemar Anton. Wagner stellte klar, dass es in diesem Bereich keine Regeländerung gegeben habe und der Torwart im Zweikampf keine Sonderrechte besitze. Ein reines Hochspringen und Berühren dürfe nicht abgepfiffen werden. Um eine deutsche Insellösung zu vermeiden, werde sich der DFB vor der Bundesligasaison mit der UEFA abstimmen.
Kritik äußerte Wagner auch an der veränderten Rolle des Video-Assistenten, der bei der WM unter dem Deckmantel der Behebung von Spielerverwechslungen auch Fouls im Mittelfeld neu bewertete, wie beim Platzverweis für den Schweizer Breel Embolo gegen Argentinien. Dies weiche vom ursprünglichen Versprechen ab, nur grobe Fehlentscheidungen zu korrigieren. Welche dieser optionalen VAR-Regeln in der Bundesliga zur Anwendung kommen, soll noch vor dem Saisonstart in Abstimmung mit der UEFA und den Vereinen final entschieden werden.
Quellen: Sportschau
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