Vorwürfe gegen Schiedsrichter Claus nach Roter Karte für Balogun haltlos
Nach dem Platzverweis gegen US-Stürmer Folarin Balogun stehen Schiedsrichter Raphael Claus und die FIFA im Fokus der Kritik durch US-Präsident Donald Trump und dessen WM-Task-Force.
Der brasilianische Unparteiische Raphael Claus sieht sich nach dem Platzverweis gegen den US-amerikanischen Nationalspieler Folarin Balogun schweren Vorwürfen ausgesetzt. US-Präsident Donald Trump und der Leiter der US-amerikanischen WM-Task-Force des Weißen Hauses, Andrew Giuliani, brachten den 46-jährigen Schiedsrichter öffentlich mit Spielmanipulationen und Regelverstößen in Verbindung. Eine genaue Prüfung der Anschuldigungen zeigt jedoch, dass diese jeglicher Grundlage entbehren.
Trump äußerte sich nebulös über eine angeblich verdächtige Vergangenheit des Referees und bestätigte, FIFA-Präsident Gianni Infantino um eine Prüfung der Sperre gegen Balogun gebeten zu haben. Giuliani konkretisierte die Vorwürfe später und behauptete, es sei höchst verdächtig, dass ein Schiedsrichter eingesetzt wurde, gegen den bereits wegen Spielmanipulation ermittelt worden sei. Tatsächlich bezogen sich diese Vorwürfe auf einen Manipulationsskandal im brasilianischen Fußball, bei dem Claus jedoch nie beschuldigt oder angeklagt, sondern lediglich als Zeuge geladen war.
Experten bewerten Rote Karte als korrekt
Während Trump die Szene als unglücklichen Zusammenstoß zweier Spieler bewertete und von einer unfairen Entscheidung sprach, stufen deutsche Schiedsrichter-Experten den Platzverweis als absolut regelkonform ein. Lutz Wagner, DFB-Schiedsrichterlehrwart, erklärte, dass alle Parameter für eine Rote Karte erfüllt gewesen seien, da der Ball nicht gespielt wurde, der Kontakt mit offener Sohle auf der Wade des Gegners erfolgte und die Intensität hoch war. Auch Hans E. Lorenz, der langjährige Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, sprach von einer korrekten Entscheidung und bezeichnete die von der FIFA-Disziplinarkommission auf Bewährung ausgesetzte Sperre von nur einem Spiel als außerordentlich milde. Die Rote Karte an sich wurde von der FIFA nicht infrage gestellt.
Zudem wiesen Trump und Giuliani den Video-Assistenten (VAR) an, das Protokoll verletzt zu haben, da eine Zeitlupe verwendet worden sei. Das offizielle VAR-Protokoll des IFAB erlaubt jedoch ausdrücklich die Nutzung von Zeitlupen zur Bestimmung des Kontaktpunktes, während die normale Geschwindigkeit zur Beurteilung der Intensität herangezogen werden soll. Claus und sein Video-Assistent Juan Soto aus Ecuador nutzten beide Darstellungen vorschriftsmäßig.
Rückendeckung durch Schiedsrichterchef Collina
Während FIFA-Präsident Gianni Infantino den Vorwürfen aus der US-Politik in der Öffentlichkeit nicht widersprach, erhielt Claus deutliche Rückendeckung von Schiedsrichterchef Pierluigi Collina. Dieser verteidigte den Brasilianer, der seit 2015 auf der FIFA-Liste steht und bereits bei der Weltmeisterschaft 2022 im Einsatz war, als einen der weltweit führenden Profischiedsrichter, der stets höchste Professionalität und Integrität bewiesen habe.
Quellen: Sportschau
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