Vom Ankläger zum Geschäftspartner: Die FIFA und die USA
Elf Jahre nach den weitreichenden Korruptionsermittlungen der US-Justiz präsentieren sich der Weltverband FIFA und die USA als enge Partner.
Am 4. Juli 2026, dem 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der USA, zeigte sich die veränderte Beziehung zwischen dem Fußball-Weltverband und dem Gastgeberland der Weltmeisterschaft besonders deutlich. Bei den WM-Partien in Houston und Philadelphia veranstaltete die FIFA in den Stadien eigene Feierlichkeiten mit Bannern, Soldaten und der US-Nationalhymne. FIFA-Präsident Gianni Infantino richtete via Instagram Glückwünsche an alle Amerikaner weltweit. Diese Harmonie steht im Kontrast zu den Ereignissen vor elf Jahren.
Am 27. Mai 2015 leiteten Ermittlungen des US-Justizministeriums wegen Bestechung, Geldwäsche und Betrugs das Ende der Ära von Sepp Blatter ein. Mehrere FIFA-Funktionäre wurden damals in einem Zürcher Luxushotel verhaftet. Im Zentrum des Skandals stand unter anderem die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022, bei der die USA für das Turnier 2022 gegen Katar unterlegen waren. Die damalige Generalstaatsanwältin Loretta Lynch kündigte an, die Korruption im Weltverband konsequent auszuräumen.
Infantinos Aufstieg und die WM-Vergabe
Der Profiteur der damaligen Krise war Gianni Infantino, der zuvor als UEFA-Generalsekretär gearbeitet hatte und 2016 zum FIFA-Präsidenten gewählt wurde. Unterstützung erhielt er dabei auch aus den USA, unter anderem durch den damaligen US-Verbandschef Sunil Gulati, der Infantino im Wahlverfahren unterstützte. Im Jahr 2018 folgte die Vergabe der Weltmeisterschaft 2026 an die Gemeinschaftsbewerbung aus den USA, Mexiko und Kanada, die sich gegen Marokko durchsetzte.
Bezüglich der Vergabe gab es später Diskussionen über eine mögliche Einflussnahme. Donald Trump äußerte beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Jahr 2020, dass er bereits vor seinem ersten Amtsantritt als US-Präsident an den Vorbereitungen für die Vergabe beteiligt gewesen sei. Die FIFA wies Vorwürfe einer Bevorzugung stets zurück und betonte das transparente Abstimmungsverfahren. Marokko wurde unterdessen als Mitgastgeber für die Weltmeisterschaft 2030 berücksichtigt.
Kritik an politischer Neutralität
Die Annäherung zwischen Infantino und Trump, die unter anderem in der Vergabe eines von der FIFA kreierten Friedenspreises an Trump mündete, sorgt für Kritik. Der norwegische Fußballverband und 50 EU-Parlamentarier unterstützen eine Beschwerde der Menschenrechtsorganisation FairSquare, die Infantino eine Verletzung der in den FIFA-Statuten verankerten politischen Neutralität vorwirft. Dennoch plant Infantino, den WM-Pokal nach dem Endspiel gemeinsam mit Trump zu überreichen.
Wirtschaftlich zahlt sich die Partnerschaft für die FIFA aus. Der Verband rechnet bei diesem Turnier mit Rekordeinnahmen von bis zu 14 Milliarden US-Dollar. Diese Gelder werden zu großen Teilen an die Nationalverbände ausgeschüttet, die im Jahr 2027 über die Wiederwahl von Infantino abstimmen werden. Die einstige Generalstaatsanwältin Loretta Lynch ist mittlerweile für die Kanzlei tätig, die die FIFA in den Ermittlungen vertreten hat, und trat bereits gemeinsam mit Infantino bei einem Compliance-Gipfel des Verbandes auf.
Quellen: Sportschau
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