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Vom Kölner Abstieg zum norwegischen WM-Erfolg

Stale Solbakken steht mit Norwegen überraschend im WM-Viertelfinale und sorgt mit seiner unkonventionellen Führung für Aufsehen.

Stale Solbakken hat sich auf der großen Fußballbühne etabliert. Als Nationaltrainer Norwegens trifft der 58-Jährige im WM-Viertelfinale in Miami auf England. Unter seiner Führung präsentieren sich die Skandinavier spielstark, erfolgreich und auffallend locker. Der Einzug in die Runde der letzten acht Teams ist für Norwegen der größte WM-Erfolg seit 1998, als Solbakken selbst noch als aktiver Mittelfeldspieler im Kader stand.

Der Trainer gewährt seinen Spielern ungewohnte Freiheiten. Nach dem historischen 2:0-Sieg im Achtelfinale gegen Brasilien erlaubte er der Mannschaft, im New Yorker Nachtleben zu feiern. Kapitän Martin Ödegaard lobte diesen Ansatz als wichtig für den Teamgeist und den Zusammenhalt der Gruppe. Solbakkens Gespür zeigt sich auch in seiner Belastungssteuerung: Im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich bot er eine B-Elf auf und nahm eine 1:4-Niederlage in Kauf, um seine Stammkräfte für die erfolgreichen K.o.-Spiele gegen die Elfenbeinküste und Brasilien zu schonen.

Taktischer Kniff gegen Brasilien

Auch taktisch bewies der Coach zuletzt ein glückliches Händchen. Im Achtelfinale gegen Brasilien wechselte er zur Pause die Offensivkräfte Alexander Sörloth und Antonio Nusa aus und brachte unter anderem Andreas Schjelderup. Der Linksaußen von Benfica Lissabon bereitete anschließend beide Treffer von Erling Haaland vor. Die Bilanz der Norweger ist beachtlich: Von den vergangenen 21 Länderspielen verlor die Auswahl lediglich zwei Partien.

Schwere Zeiten beim 1. FC Köln

In Deutschland ist Solbakkens Name eng mit einer der schwächsten Phasen des 1. FC Köln verknüpft. Zur Saison 2011/12 verpflichtete der Bundesligist den Norweger vom FC Kopenhagen. In Köln stieß seine strikte taktische Raumaufteilung jedoch auf Widerstand und überforderte die Mannschaft. Zudem belasteten interne Konflikte mit dem damaligen Sportdirektor Volker Finke die Arbeit. Die Spielzeit endete im Chaos: Finke und Solbakken wurden entlassen, und der Verein stieg trotz 18 Saisontoren von Lukas Podolski aus der Bundesliga ab. Solbakken räumte später ein, dass er damals zu schnell zu viel verändern wollte.

Nach einem anschließenden Missverständnis bei den Wolverhampton Wanderers kehrte Solbakken 2013 nach Kopenhagen zurück, wo er in sieben Jahren drei Meisterschaften und drei Pokalsiege feierte. Seit 2020 betreut er die norwegische Nationalmannschaft. Trotz anfänglicher Rückschläge wie den verpassten Qualifikationen für die WM und die EM hat er das Team nun in die Weltspitze geführt.

Klare Haltung abseits des Platzes

Solbakkens Lebensweg ist von einem einschneidenden Ereignis geprägt: Im Jahr 2001 erlitt er im Alter von 33 Jahren im Training einen Herzstillstand, wurde wiederbelebt und trägt seither einen Herzschrittmacher. Diese Erfahrung beeinflusst auch seine Haltung abseits des Rasens. Er kritisiert die enormen Summen im Profifußball als absurd und spendet Teile seines Gehalts. Zudem positioniert er sich immer wieder politisch und gesellschaftlich, etwa in Fragen der Integration oder durch deutliche Kritik an Entscheidungen des Weltverbandes FIFA während des laufenden Turniers.

Quellen: Sportschau

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