Warum die bevölkerungsreichsten Nationen bei der Weltmeisterschaft fehlen
Trotz enormer Einwohnerzahlen und großer Fußballbegeisterung sind acht der zehn bevölkerungsreichsten Länder der Erde nicht bei der Weltmeisterschaft vertreten.
Die Begeisterung für den Fußballsport ist in vielen Teilen der Welt riesig. Wenn beispielsweise die argentinische Nationalmannschaft spielt, herrscht im weit entfernten Bangladesch Ausnahmezustand. Zehntausende Menschen verfolgen die Partien auf Großbildleinwänden. Dennoch spielt die eigene Nationalmannschaft von Bangladesch international keine Rolle. Mit rund 175 Millionen Einwohnern verfügt das Land über ein enormes Potenzial an Spielern, das die Zahlen von etablierten Fußballnationen wie Frankreich, Spanien und England zusammen übertrifft. Dennoch bleibt der sportliche Erfolg aus.
Bangladesch ist kein Einzelfall. Mit Ausnahme der USA und Brasilien fehlen bei der aktuellen Weltmeisterschaft acht der zehn bevölkerungsstärksten Länder der Welt. Einigen dieser Nationen ist es noch nie gelungen, sich für eine Endrunde zu qualifizieren. Dem Weltfußball entgehen dadurch bedeutende Märkte, was auch ein Grund für die Überlegungen von FIFA-Präsident Gianni Infantino sein dürfte, das Teilnehmerfeld in Zukunft eventuell auf 64 Teams aufzustocken.
Konkurrenzsportarten und strukturelle Defizite
Die Gründe für das Scheitern der bevölkerungsreichen Staaten sind vielschichtig. In Ländern wie Indien und Pakistan steht der Fußball im Schatten von Cricket. Diese Sportart dominiert die dortige Sportlandschaft, bindet Sponsorengelder und zieht die meisten Talente an. Trotz der Gründung einer Profiliga im Jahr 2014 und der Unterstützung durch die Show-Branche ist Indien von einer WM-Qualifikation weit entfernt, auch wenn zuletzt immerhin zweimal die Qualifikation für die Asienmeisterschaft gelang.
In China scheiterte das ambitionierte Vorhaben von Staatschef Xi Jinping, das Land über einen nationalen Entwicklungsplan bis spätestens 2050 zum Weltmeister zu machen. Trotz massiver Investitionen in die Nachwuchsarbeit und die nationale Super League endete die Qualifikation für das aktuelle Turnier bereits im Sommer 2025 mit einer Niederlage gegen Indonesien.
In anderen fußballbegeisterten Ländern wie Indonesien oder Bangladesch verhindern strukturelle Probleme, Verbandskonflikte und mangelnde Nachwuchsförderung den Anschluss an die Weltspitze. Noch gravierender sind die Probleme in Äthiopien. Aufgrund der dortigen Sicherheitslage mussten Länderspiele zuletzt im Ausland ausgetragen werden, was eine kontinuierliche Talentsichtung und -förderung nahezu unmöglich macht.
Würde eine Aufstockung auf 64 Teams helfen?
Eine Erweiterung des WM-Teilnehmerfeldes auf 64 Mannschaften würde den betroffenen Ländern nur bedingt helfen. Selbst bei einer Erhöhung der asiatischen Startplätze auf elf oder zwölf Teams würde wohl am ehesten China profitieren, das in der FIFA-Weltrangliste derzeit auf Platz 13 in Asien liegt. Für Nationen wie Indien, Pakistan, Bangladesch oder Indonesien ist der sportliche Rückstand auf die etablierten Teams des Kontinents schlicht zu groß.
Ähnlich verhält es sich in Afrika, wo Äthiopien seit Jahren zu den sportlichen Schlusslichtern gehört und sich in den vergangenen 50 Jahren nur dreimal für den Afrika-Cup qualifizieren konnte. Langfristig entscheiden nicht zusätzliche Startplätze über den Erfolg, sondern funktionierende Verbandsstrukturen, eine solide Infrastruktur und eine nachhaltige Nachwuchsarbeit.
Quellen: Sportschau
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