Mondpreise und Zweitmarkt-Deals: Wie die FIFA abkassiert
Zwei Tage vor dem WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien sind noch Eintrittskarten im offiziellen Ticketshop der FIFA erhältlich – allerdings zu astronomischen Preisen.
Zwei Tage vor dem Endspiel der Weltmeisterschaft 2026 zwischen Spanien und Argentinien am Sonntag sind im offiziellen Ticketshop des Weltverbandes FIFA noch Eintrittskarten verfügbar. Allerdings handelt es sich dabei keineswegs um Schnäppchen. Am Freitagmittag waren im offiziellen Portal noch 26 Karten im Angebot. Die beiden günstigsten Tickets kosteten 17.995 US-Dollar, während der Großteil für 29.995 Dollar angeboten wurde. Die drei teuersten regulären Sitzplätze, die sich in den vordersten Reihen befinden, schlugen mit 32.970 Dollar zu Buche. Umgerechnet bewegen sich die Preise somit zwischen 15.745 und 28.848 Euro. Einzelne VIP-Tickets sind ebenfalls noch für Preise zwischen 17.000 und 57.500 Dollar erhältlich.
Grund für diese enormen Summen ist das von der FIFA angewandte System des "Dynamic Pricing". Anders als bei früheren Turnieren setzt der Weltverband keine Festpreise mehr an, sondern passt die Ticketpreise flexibel an die Nachfrage an. Steigt das Interesse, klettern auch die Preise. Die FIFA argumentiert, dass sie auf diese Weise die Gewinne selbst abschöpfen möchte, anstatt den Profit unkontrolliert dem grauen Zweitmarkt zu überlassen. Dass die Zahlungsbereitschaft der Fans hoch ist, zeigen Berichte über argentinische Anhänger, die teils Hab und Gut verkauften, um die Reise zu finanzieren. Für Halbfinaltickets lag die Schmerzgrenze bei vielen bereits zwischen 2.500 und 4.000 Dollar.
Juristischer Gegenwind in den USA und Europa
Die aggressive Preispolitik der FIFA stößt auf heftige Kritik und zieht juristische Konsequenzen nach sich. In den USA haben die Generalstaatsanwaltschaften von New York, Kalifornien und New Jersey Ermittlungen aufgenommen. Jennifer Davenport, die Generalstaatsanwaltschaften von New Jersey, bezeichnete das System als ein Labyrinth aus Verwirrung, künstlicher Verknappung und unmöglich hohen Preisen. Auch in Europa regt sich Widerstand: Bei der Europäischen Kommission liegt eine Beschwerde wegen des Vorwurfs des Missbrauchs einer Monopolstellung vor. Das EU-Parlament fordert zudem eine Regulierung und Prüfung eines Verbots von dynamischen Preisen bei Sport- und Kulturveranstaltungen. Die UEFA hat bereits angekündigt, bei der Europameisterschaft 2028 auf diese Praxis zu verzichten.
Doppeltes Kassieren auf dem Zweitmarkt
Zusätzlich hat die FIFA eine eigene Ticketbörse gestartet, um die Einnahmen im Vergleich zur WM 2022 in Katar zu verdreifachen. Über diese Plattform können Fans ihre Tickets weiterverkaufen. Der Weltverband verlangt dabei sowohl vom Käufer als auch vom Verkäufer jeweils 15 Prozent Provision. Eine Preisobergrenze existiert auf diesem Portal nicht. Am Freitag wurden dort Eintrittskarten für das Finale zu Preisen zwischen 8.050 und bis zu 2,3 Millionen Dollar angeboten.
In Deutschland hat diese Praxis nun ein juristisches Nachspiel. Die Ticket-Plattform Ticombo erwirkte am Freitag vor dem Landgericht Frankfurt eine einstweilige Verfügung gegen die FIFA. Demnach muss der Weltverband bestimmte Gestaltungen im Zusammenhang mit dem Ticketverkauf gegenüber deutschen Verbrauchern unterlassen. Laut Medienberichten geht es dabei insbesondere um mangelnde Transparenz bezüglich der Identität der Ticketanbieter auf dem FIFA-Zweitmarkt. Da die Verfügung nur in Deutschland gilt und das Finale unmittelbar bevorsteht, hat das Urteil zwar keine direkten Auswirkungen mehr auf das laufende Turnier, es deutet jedoch darauf hin, dass die Ticketpraktiken der FIFA die Gerichte noch über die Weltmeisterschaft hinaus beschäftigen werden.
Quellen: Sportschau
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