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Vom Schicksalsschlag zum Nationalhelden: Der Aufstieg von Orlando Gill

Paraguays Torhüter Orlando Gill steht nach einer von Entbehrungen geprägten Karriere vor dem WM-Achtelfinale gegen Frankreich im Fokus der Fußballwelt.

Orlando Gill hat sich bei der Weltmeisterschaft 2026 zu einer tragenden Säule der paraguayischen Nationalmannschaft entwickelt. Beim Einzug ins Achtelfinale erwies sich der fast zwei Meter große Torhüter als unüberwindbares Hindernis für die deutsche Auswahl. Im Spiel parierte er sechs Torschüsse, darunter Versuche von Joshua Kimmich, Waldemar Anton und Kai Havertz. Im anschließenden Elfmeterschießen hielt er die Schüsse von Havertz und Nick Woltemade und sicherte Paraguay damit das Weiterkommen.

Nationaltrainer Gustavo Alfaro hob nach dem historischen Erfolg die Herkunft seiner Mannschaft hervor. Er erklärte, er habe seinen Spielern vor der Partie gesagt, dass die deutschen Gegner in den besten Fußball-Akademien Europas ausgebildet wurden, während sein Team von der roten Erde komme und durch die Entbehrungen der Eltern geprägt sei.

Existenzkampf für die Familie

Diese Worte treffen auf die persönliche Geschichte von Orlando Gill in besonderem Maße zu. Im Dezember 2022 erlebte der Torhüter, der damals als Ersatzmann beim paraguayischen Zweitligisten CS San Lorenzo unter Vertrag stand, eine schwere Krise. Aufgrund von Komplikationen bei der Geburt musste sein neugeborener Sohn Lautaro auf der Intensivstation behandelt werden. Da die Gehälter in der zweiten Liga gering sind und oft unpünktlich gezahlt wurden, konnte Gill die medizinischen Kosten nicht decken. Er sah sich gezwungen, seine Fußballschuhe, seine Pokale und das Trikot von seinem Debüt in der U20-Nationalmannschaft zu verkaufen.

Seine Ehefrau Melissa Ávalos bestätigte später, dass Gill alles verkauft habe, um das Leben ihres Sohnes zu retten. Der Junge überlebte und konnte das Krankenhaus kurz vor Weihnachten verlassen. Die Familie musste das Fest jedoch bei Verwandten verbringen, da der eigene Haushalt finanziell völlig erschöpft war.

Sportlicher Durchbruch und Kritik

Trotz geringer Einsatzzeiten in der zweiten Liga wurde der argentinische Erstligist CA San Lorenzo auf Gill aufmerksam und verpflichtete ihn im Jahr 2024. Zunächst für die Reserve eingeplant, etablierte sich der Torhüter innerhalb eines Jahres als Stammkraft der ersten Mannschaft. Im Juni 2025 folgte die erste Nominierung für die Nationalmannschaft als Vertreter von Roberto Fernández. Im September desselben Jahres debütierte er und übernahm die Rolle der Nummer 1.

Dieser schnelle Aufstieg stieß in der Heimat zunächst auf Skepsis. Die paraguayische Torhüter-Legende José Luis Chilavert kritisierte Gills ruhiges Auftreten auf dem Platz scharf und bemängelte, dass er stumm spiele und seine Abwehr nicht lautstark organisiere.

Begehrt auf dem Transfermarkt

Diese Kritik ist angesichts der Leistungen bei der Weltmeisterschaft verstummt. Im offiziellen Torhüter-Ranking der FIFA wird Gill derzeit als bester Torwart des Turniers geführt. Dies hat das Interesse europäischer Vereine geweckt. Medienberichten zufolge beschäftigen sich der FC Valencia, Besiktas, der FC Turin und Lazio Rom mit einer Verpflichtung des 26-Jährigen.

Die nächste sportliche Herausforderung wartet im WM-Achtelfinale auf Paraguay. Dort trifft die Mannschaft auf Frankreich mit Spielern wie Kylian Mbappé, Michael Olise und Ousmane Dembélé.

Quellen: Sportschau

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